Symptome

Die Symptome der MS können je nach dem Ort des Befalls im Gehirn oder Rückenmark sehr unterschiedlich sein. Sie können bei dem einen mehr, bei dem anderen weniger ausgeprägt sein, anhalten oder bleiben, sich aber auch völlig oder nur teilweise wieder zurückbilden. Die alten Symptome können immer wieder auftreten. Es können neue hinzukommen, dann spricht man von "Schub". Wenn sie sich zurückbilden, spricht man von "Remission".

Augensymptome:
Bei ungefähr 40% aller MS-Betroffenen kommt es zu einer Entzündung eines Sehnervs (Optikusneuritis), sie sehen verschwommen oder erleiden einen Verlust an Sehschärfe. Es kann auch zu Lähmungen der Augenmuskeln kommen (Augenmuskelparesen), dabei sehen die Betroffenen Doppelbilder.

Symptome durch Befall des Hirnstammes:
Wenn die Nervenfasern des Hirnstammes von der MS befallen werden, die unter anderem die Berührungsempfindlichkeit des Gesichtes gewährleisten, so kann es zu heftigen Schmerzattacken des Gesichtes kommen (Trigeminusneuralgie). Bei Befall der Nerven, die die Gesichtsmuskulatur versorgen, kann eine Gesichtslähmung auftreten (Fazialisparese). Schwindel und Brechreiz entstehen, wenn die Nervenbahnen beschädigt werden, die die Verbindung zum Gleichgewichtsorgan herstellen. Herde im Hirnstamm können weiterhin zu einer verwaschenen Sprache führen.

Symptome durch Befall des Kleinhirns:
Werden Nervenfasern im Kleinhirn oder seinen Verbindungsbahnen von der MS befallen, so treten "Koordinationsstörungen" auf. Die Betroffenen haben Schwierigkeiten, gezielte Bewegungen auszuführen. Das Zittern (Tremor) kann geplante Bewegungen ganz unmöglich machen. Dies kann auch zu Unsicherheiten beim Sitzen, Stehen oder Gehen führen (Rumpf-, Stand- oder Gangtaxie). Eine weitere Störung ist eine Sprechstörung, die Unfähigkeit flüssig zu sprechen. Die Sprache wirkt oft abgesetzt (skandierend).

Symptome durch Befall des Rückenmarks:
Bei Befall des Rückenmarks können grundsätzlich zwei verschiedene Störungen auftreten. Auf der einen Seite kann es zu Störungen der Gefühlswahrnehmung kommen (sensorische Störungen), sei es in Form von "Kribbeln", oft als "Ameisenlaufen" beschrieben, oder in Form von Taubheitsgefühlen, die dann als Schwere-, Kälte-, Gürtel-, Spannungs- oder Druckgefühl beschrieben werden. Gelegentlich treten auch schmerzhafte Mißempfindungen auf. Auf der anderen Seite kommt es zu Störungen von seiten der Muskeln (motorische Störungen). Die Muskeln können schwach und schlaff werden, aber auch angespannt (spastisch), so daß bestimmte Bewegungen nicht mehr oder nur unter größter Anstrengung möglich sind. Weitere Beschwerden sind Blasen- und Mastdarmstörungen. Harnträufeln und Harndrang oder vollständige Verlust über die Kontrolle der Harnblase oder des Darms, dies sind sicherlich die Beschwerden, die zu den größten sozialen Beeinträchtigungen führen. Durch Spastiken, Inkontinenz oder Gefühlsstörungen kommt es bei vielen MS-Betroffenen auch zu sexuellen Störungen, die sich in Verlust der Libido, der Orgasmusfähigkeit oder der Potenz äußern können.

Psychische Beeinträchtigungen:
Verschiedene psychische Veränderungen durch die Erkrankung an MS sind möglich, treten aber durchaus nicht bei allen MS-Betroffenen auf. Viele Betroffene klagen auch über rasche Ermüdbarkeit und vorzeitige Erschöpfung. Leistungen und Arbeiten, die früher ohne Schwierigkeiten ausgeführt werden konnten, erfordern nach der Erkrankung mehr Kraft. Dies kann zu Unzufriedenheit und Frustration führen, und damit u.U. in Verzweiflung und Depression münden. In jüngerer Vergangenheit betonen MS-ForscherInnen, daß das weitverbreitete Klischee nicht zutrifft, charakteristische Störungen bei MS seien Euphorie, Abnahme der Kritikfähigkeit und eine gewisse Distanzlosigkeit. Sie betonen, daß es besonders zu Beginn der Erkrankung zu depressiven Zuständen kommen kann, die meist Folge von Schwierigkeiten in Beruf und in zwischenmenschlichen Beziehungen sind. Diese Schwierigkeiten sind auf Körperbehinderungen und auf die Angst hinsichtlich des weiteren Verlaufs der Erkrankung zurückzuführen. Selten und meist in späteren Krankheitsstadien treten auch hirnorganische Veränderungen auf, die wiederum Drepressionen auslösen können. Wichtig ist aber auch zu betonen, daß viele MS-Betroffene sich psychisch nicht beeinträchtigt fühlen, weil sie entweder durch die MS nicht wesentlich beeinträchtigt sind oder trotz Behinderungen durch die Auseinandersetzung mit dieser Erkrankung gelernt haben, mit den Beeinträchtigungen und Einschränkungen zu leben.

Schmerzen bei Multipler Sklerose:
Bei MS-Betroffenen können Schmerzen unterschiedlichster Art auftreten, wie bei allen anderen Menschen auch. Daneben gibt es aber oft auch Schmerzen, die durch die Folgeerkrankungen bei MS bedingt sind, z.B. bei Harnwegsentzündungen, vermehrter Muskelanspannung oder Gelenkversteifung. Noch wenig berücksichtigt sind die Schmerzen, die direkt durch die MS bedingt sind, z.B. Mißempfindungen wie Brennen, Kältegefühle oder "elektrische" Gefühle bei Beugung des Kopfes. Diese Schmerzen sind nur schwer oder gar nicht behandelbar.

MS-Fatigue:
Müdigkeit, besser abnorme Ermüdbarkeit (MS-Fatigue) ist ein Symptom der Multiplen Sklerose, das die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen kann. Eine Spastik kann man irgendwann akzeptieren, und selbst, wenn man beim Gehen einen Stock zu Hilfe nehmen muss, kann man sich damit arrangieren. Schwierig wird das Problem der abnormen Ermüdbarkeit für viele MS-Kranke, wenn dieses Symptom in der Familie, im Freundeskreis oder am Arbeitsplatz auf Unverständnis stößt. Auch heutzutage noch halten viele Menschen Müdigkeit für einen eindeutigen Hinweis auf Disziplinlosigkeit, Labilität oder Drückebergertum. Andere betrachten die Müdigkeit bei der MS fälschlicherweise als Ausdruck seelischer Störungen. Sie ist aber ein eigenständiges Symptom der MS. Um mit der Müdigkeit leben zu können, müssen MS-Kranke für einen ausreichend langen, gesunden Schlaf sorgen, während ihrer Beschäftigung am Tage immer wieder Pausen einlegen, Stress vermeiden und, wenn er sich einmal nicht umgehen lässt, ihn durch eine längere Ruhephase ausgleichen. So verhindert die Ermüdung, dass sich MS-Patienten überlasten. Viele Menschen, die an Multipler Sklerose leiden, haben einen niedrigen Blutdruck. Dies trägt ebenfalls dazu bei, dass MS-Kranke leichter ermüden und weniger belastbar sind als Gesunde.