Ernährung

Die Ernährungsmedizin der letzten Jahre hat gezeigt: Menschen mit MS profitieren sehr von einer Ernährungsweise, die wenig Fleisch und dafür viel Vollkorn, Salate, Gemüse, Fisch und Pflanzenöle enthält. Was ist der Grund dafür?

Ganz einfach: Das Fett. Fleisch und tierische Produkte, wie z.B. Wurst oder Milch enthalten vorwiegend so genannte gesättigte Fettsäuren. Der menschliche Körper braucht eigentlich nur sehr wenig davon - viel weniger, als wir zu uns nehmen. Die Mengen an tierischen gesättigten Fettsäuren verfetten die Körperzellen, lagern sich an den Außenwänden der Arterien an, verstopfen die feinen Herzkranzgefäße, sie erhöhen den Cholesterinspiegel im Blut und nicht zuletzt: Sie hindern die empfindlichen Nervenzellen an ihrer Arbeit. Es ist, als würde man sein Auto mit dem falschen Benzin auftanken.

Die Gegenspieler sind die ungesättigten Fettsäuren. Es gibt einfach ungesättigte Fettsäuren, wie z.B. im Olivenöl oder Rapsöl, aber auch hoch ungesättigte Fettsäuren, wie z.B. im Sonnenblumenöl. Beide sind essenziell, das heißt lebenswichtig und für den Körper unentbehrlich. Sie sind wichtige Baustoffe für die Körperzellen - und damit auch für das zentrale Nervensystem. Sie werden gebraucht für das einwandfreie Funktionieren von Gehirn, Rückenmark und Blut-Hirn-Schranke. Was passiert, wenn wir zuwenig davon haben?

Bei MS werden durch die Entzündung die fetthaltigen Myelinzellen in Gehirn und Rückenmark angegriffen. Der Körper aber braucht das "richtige Benzin", um neue Zellen bilden zu können. Wenn dieses fehlt, können sich die angegriffenen Nervenzellen nicht gut erneuern, die MS wird gefördert und im Laufe der Zeit immer schlimmer. Ungesättigte Fettsäuren, egal ob einfach oder hoch ungesättigt, sind für den Körper also unentbehrlich!

Tipps für Ihre Ernährung:
  • Essen Sie jeden Tag etwas frisches Obst - und wechseln Sie die Sorten. Obst kann "aus der Hand" gegessen werden, macht keine Arbeit und eignet sich deshalb gut fürs eilige Frühstück, für den Arbeitsplatz oder für kleine Zwischenmahlzeiten.
  • Erhitztes Obst (Gläser, Konserven, Kompott etc.) ist vitaminlos und ersetzt nicht das frische Obst.
  • Essen Sie jeden Tag etwas rohes Gemüse - als Salatteller, Rohkost oder als Möhre, Tomate usw. "pur" in den Mund.
  • Bereiten Sie Ihre Salate und Gemüseteller mit einem wirklich erstklassigen, kalt gepresstem Oliven- oder Sonnenblumenöl zu. Diese essenziellen Öle sind das lebensnotwendige "Superbenzin" für Ihre Nervenzellen - und auch für alle anderen Körperzellen.
  • Ein guter Pausensnack ist Studentenfutter! Knabbern Sie gelegentlich mal ein paar Nüsse, Mandeln, Sonnenblumenkerne, Kürbiskerne usw.
  • Essen Sie mindestens zweimal in der Woche Fisch. Egal, ob Sie selber kochen oder essen gehen: Wählen Sie möglichst frischen oder tiefgekühlten Fisch, der nur kurz gedünstet, gegrillt oder gebraten wurde (nichts Fettes oder Paniertes).
  • Fast alle Fischarten sind geeignet - Seelachs, Rotbarsch, Kabeljau, Lachs und viele andere Arten.
  • Weglassen sollten Sie fette Fische aus Küstennähe, z.B. Aale. Auch geräucherter Fisch ist eher eine gelegentliche Zugabe.
  • Als Brotaufstrich eignet sich eine gute fettreduziere Diät-Margarine mit einem hohen Anteil ungesättigter Fettsäuren (z.B. Becel)
  • Essen Sie nur geringe Mengen an Milchprodukten und Käse und bevorzugen Sie fettarme Sorten.
  • Wählen Sie Magermilch, Magerquark, fettarmen Joghurt, Buttermilch, mageren Käse bis max. 20% Fett i.Tr.
  • Trinken Sie täglich mind. 1 ½ Liter Flüssigkeit - zusammengestellt aus viel Mineralwasser, Fruchsaftschorle, Früchtetee, Kräutertee, frisch gepressten Säften.
  • Reduzieren Sie Getränke mit nervenstimulierenden Aufputschmitteln wie Kaffee, schwarzen Tee, Cola usw.
  • Reduzieren Sie auch Ihren Alkoholkonsum. Ein kleines Glas Weißwein zu einem schönen Essen hin und wieder ist in Ordnung - wenn die MS nicht mehr aktiv ist. Mitten in einem MS-Schub und während einer Kortisonbehandlung: Finger weg!
  • Verbannen Sie Butter, Schmalz, Sahne, Vollmilch, Creme Frâiche, fetten Käse, Camembert, fette Wurst und fettes Fleisch aus Ihrer Küche!
  • Das Gleiche gilt für alle industriellen Öle wie billige Margarine, billige Speiseöle, Kartoffelchips, vorgefertigte Salatsaucen etc.
--- Nicht so gut --- +++ Gut +++
Weißes Mehl und alle Produkte daraus: Nudeln, Brot, Brötchen, Kuchen Vollkorn und alle Produkte daraus, auch Frischkornmüsli, besonders Haferflocken
Fettreiches Fleisch aller Art; z.B. fettdurchwachsenes Schweine- oder Rindfleisch, Hähnchen mit Haut, die meisten Wurstsorten, Würstchen, Speck, Schmalz usw. Mageres Hühnchen ohne Haut, Puten-, Rinder- und Schweinefilet, magerer Schinken, Sülzwurst, Roastbeef, alles eher wenig und in geringen Mengen
Obst und Gemüse in Gläsern und Konservendosen Frisches Obst und Gemüse, frische Kräuter, als Ergänzung Tiefkühlgemüse
Vollmilch und alle Produkte daraus: fetter Käse, Joghurt, Sahne, Sahnequark, Mayonnaise, Creme Frâiche, Sahnetorten, Sahnecremes Magermilch, Magerquark, fettarmer Joghurt, magerer Käse bis 20% Fett i.Tr.
Weißer Zucker und Süßstoffe, Schokolade, Pralinen, Limonaden Honig und Zucker, nur in Maßen
Kaffee, Cola, Instantgetränke, Wein, Bier, Spirituosen, Zigaretten Frisch gepresste Obstsäfte, Mineralwasser, auch mit Obstsaft gemischt, Früchtetee, Kräutertee, koffeinfreier Kaffee
Fischprodukte aus Gläsern und Konservendosen, panierter und in Fett ausgebackener Fisch Frischer Fisch, gebraten, gegrillt oder gedünstet; als Ergänzung tiefgekühlter Fisch
Butter, billiges Speiseöl und Margarine Vor allem gepresstes Olivenöl, Rapsöl, Sonnenblumenöl, Kürbiskernöl, Weizenkeimöl; gute Margarine mit einem hohen Anteil ungesättigter Fettsäuren
Fetthaltige Knabbereien wie Kartoffelchips u.ä. Nüsse und Mandeln, Sonnenblumenkerne, Kürbiskerne, Trockenfrüchte
(Quelle: Christine Wagener-Thiele, Natürliche MS-Therapien:   http://www.ms-alternativen.de)

Arachidonsäure - Entzündungsstoff aus der Nahrung
Die Forschung der letzten Jahre hat gezeigt, warum übermäßiger Fleischverzehr bei Multipler Sklerose ungünstig ist: die entzündungsfördernde Arachidonsäure wird ausschließlich mit Nahrungsmitteln tierischer Herkunft (Fleisch, Eigelb, Milchfett, Butter...) aufgenommen. Arachidonsäure wird in jedem tierischen und menschlichen Organismus aus pflanzlicher Linolsäure gebildet. Die Menge ist genau reguliert und sehr begrenzt. Mit tierischer Nahrung nehmen wir darin vorhandene Arachidonsäure direkt auf. Diese verwendet unser Körper, um Eicosanoide als Entzündungsvermittler herzustellen.

Untersuchungen haben tatsächlich gezeigt, dass im Überfluss genossene tierische Nahrungsmittel den Entzündungsprozess bei Multipler Sklerose verstärken!

In Pflanzen wird dagegen keine Arachidonsäure gebildet. Jede vegetarische Mahlzeit ist deshalb ein Beitrag zur Verringerung des Entzündungsförderers Arachidonsäure in unserem Körper.

Unter vegetarisch orientierter Kost kommt es zu einem langsamen Absinken der Arachidonsäure-Menge. Der Körper baut im Verlauf von mehreren Monaten die überschüssig zugeführte Arachidonsäure ab. Daher wird eine Umstellung auf vegetarisch orientierte Kost erst nach etwa 2 Monaten wirksam, wenn nämlich due Arachidonsäure-Konzentration im Körper deutlich reduziert wurde. Die Abnahme der Arachidonsäure setzt sich bis zu 2 Jahren langsam fort. Deshalb ist es wichtig, die Ernährung langfristig umzustellen.
Quelle: Serono, "Ernährungsrichtlinien bei Multipler Sklerose")